Ausgedampft - Bahnstrecke Waidhofen - Ybbsitz ist Geschichte

Der Ybbsitzer Gemeinderat beschloss in seiner Sitzung am 29. Mai 2017, dass die Geleise bis zur Stadtgrenze Waidhofen abgerissen werden. Damit sind die Träume des Bahn-Club 598 endgültig verdampft.


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Foto: Piaty
Die Ybbstalbahnhoffnung des Club 598 ist nun endgültig verdampft
Die Möglichkeiten, ein Bahn-Projekt "Tourismusbahn Waidhofen/Ybbs – Gstadt – Ybbsitz" sind nun ebenfalls zerplatzt.

Bürgermeister Josef Hofmarcher zur Causa: "Irgendwann musste eine Entscheidung getroffen werden und jetzt hat der Ybbsitzer Gemeinderat mehrheitlich diesen politischen Willen geäußert. 40% der Bahngeleise waren nicht mehr vorhanden und der Rest ist in baufälligem Zustand. Im Zuge der Vernetzung mit dem Ybbstalradweg wird auch ein Teil der Bahntrasse, ca. 500 Meter, zur Anbindung benötigt, um die Radtouristen auch nach Ybbsitz zu bringen. Zusätzlich wird auch ein Masterplan zur Nutzung des Bahnhofareals erstellt, da Forderungen von Wirtschaftsunternehmen hinsichtlich verbesserter Zufahrtsmöglichkeit und Parkraum laut geworden sind, ohne die keine Erweiterung der Betriebe möglich wäre."

Peter Stiftner und Elsa Zierlinger vom Bahn-Club 598 haben sofort nach Bekanntwerden des Beschlusses mit Bürgermeister Mag. Krammer, Bürgermeister Hofmarcher und Nationalrat Hanger Kontakt aufgenommen und noch einmal versucht, das Projekt Tourismusbahn von Waidhofen/Ybbs nach Ybbsitz zu retten.

Elsa Zierlinger: "Das Trassenband wurde ja dem Club 598 für einen allfälligen touristischen Betrieb einer Bahn zur Verfügung gestellt. Wir haben darauf hingewiesen, dass der beabsichtigte Schienenabtrag ein Vernichten von vorhandenen Werten und von bestehender Infrastruktur ist. So sind z.B. die noch vorhandenen Originalweichen mit den alten Stellköpfen von beachtlichem touristischem Interesse. Aus der vom Club 598 in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie, die allen maßgeblichen Verantwortungsträgern seit längerem vorliegt, geht hervor, dass es sich konkret um einen Betrag von rund € 2,5 Mio. handelt: die Differenz zwischen einer Schienenneulage und der Instandsetzung der bestehenden Gleisanlage".

Elsa Zierlinger kritisierte auch, dass der dafür ausschlaggebende Punkt im Gemeinderat in Ybbsitz die unglückliche Präsentation der Machbarkeitsstudie war. "Aber eine tatsächlich nicht besonders geglückte Vorstellung der Studie kann doch nicht für das Scheitern eines für die Region ausgezeichneten touristischen Projektes alleine ausschlaggebend sein!"

Auch die Taktik der Verhandler stößt Zierlinger bitter auf: "Bisher hat man uns immer gesagt, der Zeithorizont zur Abwicklung dieses Tourismusprojektes liegt im Rahmen von bis zu zehn Jahren. Jetzt sieht sich der Club 598 allerdings mit dem Vorwurf konfrontiert, dass die Erstellung des Einreichprojektes zu schleppend vor sich geht und deshalb mit dem Gleisabbau nicht gewartet werden kann."

Beim Thema denkmalgeschützter Bahnhof und Bahnhofsareal hofft Zierlinger noch auf eine Lösung: "Hinsichtlich des Bahnhofsareals wird in einem noch zu vereinbarenden Gespräch nach einer Lösung gesucht. Allen Mitgliedern des Gemeinderates in Ybbsitz wurde bereits im November des Vorjahres ein Konzept zu einer sinnvollen Nutzung des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes und der Remise sowie der Gleisanlagen vorgelegt".

Auf Antwort wartet der Club 598 noch. Es könnte aber ein Warten auf Godot werden.

Die Chronologie des "politischen Willens"


Wie abänderbar der politische Wille ist, wie schnell Einschätzungen verpuffen, bzw. was Zusagen von Politiker zählen kann man anhand der vorhandenen belegbaren Chronologie erkennen.

Der Bau der Ybbstalbahn in den Jahren 1896 bis 1898 trug wesentlich zur Prosperität des Ybbstales bei.

1998 gab es von Seiten der Politik eine vertragliche Bestandsgarantie von 25 Jahren, also bis ins Jahr 2023. Der heutige Innenminister Wolfgang Sobotka hat dies, damals noch als Bürgermeister von Waidhofen,  öffentlich verkündet: "Bahnen gehört die Zukunft, das ist heute wieder ein großes Thema."

Dann 2012 Schwenk der Politik Richtung Radwegnutzung des Trasse: Die Bürgermeister des oberen Ybbstales (Ausnahme war Hollenstein) traten für eine Zerstörung ihres  Kulturerbes ein, obwohl in ganz Europa auf touristische Nutzung von Nebenbahnen gesetzt wurde und zudem im Ybbstal die notwendigen wertvollen historischen Gerätschaften (Lokomotiven, Waggons etc.) vorhanden waren.

Noch 2013 sprach sich Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll für die Kombination „Rad UND Bahn“ aus. https://www.youtube.com/watch?v=LmwwrKEFszo .  Die Bürgermeister der Region oberes Ybbstales wollten aber nur „Rad“ und damit das Ende der Ybbstalbahn.

2017 beschloss der Ybbsitzer Gemeinderat die Geleise auf ihrem Gemeindegebiet abzureißen.





30.05.2017 07:44:15



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