Rebell Martin Luther im Rothschildschloss (Video)

Die Ausstellung im 5eMuseum Waidhofen hat es in sich. 500 Jahre Reformation und der politische Mut des Martin Luther, der "das Internet des 16. Jahrhunderts", den Buchdruck, perfekt zu nutzen wusste.


header picture


Martin Luther hat weit mehr als 95 Thesen an die Kirchentüre genagelt. Seine damals ketzerischen Ansichten waren vor allem politisch brandheiß und teilten die Lager der katholischen und evangelischen Kirche. Ursprünglich nur als Diskussion gedacht wurden seine Thesen zum Flächenbrand. Dazu muss man wissen, dass es 1517 noch keine deutsche Bibelübersetzung gab und die Messen auf Latein gehalten wurden. Eine Tatsache, die vor allem den Mächtigen zugute kam.

Die Angst vor der Hölle wurde geschürt und mit der Möglichkeit des Ablasses konnte man sich von den Qualen der Hölle freikaufen. Luther war klar, dass das ein großer Fake war, wo nur die Besitzenden profitierten. Dass er dann auf der Wartburg die Bibel auf deutsch übersetzte, brachte das Blut der weltlichen, aber vor allem der kirchlichen Herrscher vollends in Wallung.

Der Kaiser erklärte Martin Luther darauf zu "vogelfrei", was so viel hieß wie, jedermann konnte ihm ungestraft an den Kragen. Umso mehr ist der Mut dieses Mannes zu würdigen.

Mag. Inge Janda, Ausstellungskuratorin: "Zugute kam ihm, dass in seiner Zeit ein Herr Gutenberg den Buchdruck erfand, der es ermöglichte, Schriften und Botschaften für die damalige Zeit in Windeseile zu vervielfältigen und in Umlauf zu bringen, was den Oberen weiter sauer aufstieß, waren sie ja jetzt mit einem informierteren Volk konfrontiert."

Und ein aufgeklärteres Volk war schon damals eine Gefahr. Was das Internet heute, war der Buchdruck im 16. Jahrhundert. Eine Revolution. Luther und seine Thesen passten daher auch in die Zeit der Aufklärung.

Inge Janda: "Das wichtigste in dieser Zeit waren die Weltenänderer. Etwa Christoph Columbus, der große Entdecker, Amerigo Vespucci, (nach dem der Kontinent Amerika benannt wurde), der Seefahrer Magelan, oder auch Leonardo da Vinci mit seinen Erfindungen, Erasmus von Rotterdam, dazu noch die vielen Künstler. Alles zusammen Menschen, die geeignet waren, die Welt und die Ansichten der Menschen nachhaltig, wie man weiß, zu verändern"

Inge Janda hat die Ausstellung "Gegen Papst und Kaiser" mit großer Sorgfalt gestaltet und die Zeit der Reformation im Mostviertel beleuchtet. Mit dem Wissen, die die großartige Ausstellung vermittelt, sieht man plötzlich die eigene Umgebung und engere Heimat in einem anderen Blickwinkel. Prädikat: hingehen und anschauen, am besten mit einer Führung.

GEGEN PAPST UND KAISER
Reformation im Mostviertel
5e Museum Schloss Rothschild Waidhofen
noch bis 10. November 2017
02.06.2017 10:57:00



Weitere Beiträge

v20130331
Beitrag nicht gefunden?